Das wichtigste vorab:
- Die Strompreisbremse war eine staatliche Maßnahme in Deutschland ab 2023, um stark gestiegene Strompreise für Haushalte und Unternehmen abzufedern.
- Die Strompreisbremse sollte ursprünglich bis März 2024 laufen, wurde aber schon zum 31.12.2023 beendet.
- Heute bieten viele Stromanbieter eigene Preisbremsen in Form von Preisgarantietarifen an, um Verbraucher vor kurzfristigen Marktschwankungen zu schützen
- Preisbremsen bieten jedoch keine langfristige Lösung an. Dynamische Stromtarife bieten hier eine bessere Lösung an.
Was ist eine Strompreisbremse?
Die Strompreisbremse war eine staatliche Initiative, die 2023 in Deutschland eingeführt wurde. Ziel dieser Preisbremse war für einen festgelegten Grundbedarf an Strom eine Preisobergrenze zu definieren, wo Verbraucher innerhalb dieser einen gedeckelten Preis pro Kilowattstunden zahlen mussten. Erst für den Stromverbrauch, der über diesen Grundbedarf hinausging, galten die normalen, meist höhere Marktpreise.
Warum wurde die Strompreisbremse eingeführt?
Die Strompreisbremse wurde eingeführt, weil die Energiepreise in Europa ab 2021 stark angestiegen sind. Grund hierfür war die gestiegenen Energiepreise die aufgrund geopolitische Krisen wie der Ukrainekrieg deutlich angestiegen waren. 2022 stieg der durchschnittliche Großhandelsstrompreis um über 143,1% und lag bei 234,5 €/MWh Euro/MWh. Privatkunden mussten 47,6 Ct/kWh (Neukunden) bzw. 43,2 Ct/kWh für ihren Strom zahlen. Um die Verbraucher vor diesen extremen Kosten zu schützen, beschloss der Deutsche Bundestag im Dezember 2022 das Strompreisbremsegesetz (StromPBG), das rückwirkend zum 1. Januar 2023 in Kraft trat.
Wie funktionierte die Strompreisbremse konkret?
Die Strompreisbremse funktionierte so: Für einen festgelegten Grundverbrauch gab es einen festen, günstigen Preis. Haushalte und kleine Unternehmen mussten für bis zu 80% ihres durchschnittlichen Jahresverbrauchs höchstens 40 Ct/kWh zahlen. In diesem Preis waren alle Kosten wie Gebühren, Steuern und Abgaben schon enthalten. Wer mehr als diese 80% verbrauchte, musste für den Rest den normalen, meist teuren Preis bezahlen. So sollte man weiterhin Strom sparen.
Für Unternehmen galt eine andere Regelung. Bei Firmen, die mehr als 30.000 Kilowattstunden im Jahr verbrauchten, lag der gedeckelte Preis bei 13 Ct/kWh, aber nur für 70% ihres bisherigen Verbrauchs.
| Verbrauchergruppe | Preisdeckel (brutto) | Gedeckelter Verbrauchsanteil |
|---|---|---|
| Private Haushalte & Kleingewerbe (≤ 30.000 kWh/Jahr) | 40 Cent/kWh | 80 % des Vorjahresverbrauchs |
| Mittlere & große Unternehmen (> 30.000 kWh/Jahr) | 13 Cent/kWh (netto) | 70 % des Referenzverbrauchs |
Rechenbeispiel: Berechnung der Strompreisbremse?
Laut Bundesnetzagentur lag der durchschnittliche Stromverbrauch eines deutschen Vier-Personen-Haushalts im Jahr 2022 bei rund 4.000 kWh pro Jahr. Angenommen, der Haushalt hatte einen Vertragspreis von 46 Cent pro kWh, ein realistischer Wert für Neukunden im März 2023 angesichts der damaligen Marktlage.
Ohne die Strompreisbremse hätte dieser Haushalt folgende Jahreskosten gehabt:
4.000 kWh × 0,46 €/kWh = 1.840 € pro Jahr
Die Strompreisbremse deckte 80% des Vorjahresverbrauchs zum Höchstpreis von 40 Cent/kWh ab.
4.000 kWh × 80 % = 3.200 kWh (gedeckelter Anteil)
Der verbleibende Anteil von 20% wurde zum regulären Marktpreis abgerechnet:
4.000 kWh × 20 % = 800 kWh (zum Marktpreis)
Berechnung der tatsächlichen Stromkosten mit Preisbremse
| Verbrauchsanteil | Menge (kWh) | Preis pro kWh | Kosten |
|---|---|---|---|
| Gedeckelter Anteil (80 %) | 3.200 kWh | 0,40 € | 1.280 € |
| Marktpreisanteil (20 %) | 800 kWh | 0,46 € | 368 € |
| Gesamtkosten mit Preisbremse | 4.000 kWh | 1.648 € | |
| Kosten ohne Preisbremse | 1.840 € |
Ersparnis: 192 € pro Jahr.
Gibt es noch eine Strompreisbremse?
Nein, eine Strompreisbremse gibt es nicht mehr. Eigentlich sollte sie bis zum 31. März 2024 laufen, aber aufgrund von Sparmaßnahmen wird sie schon zum 31. Dezember 2023 beendet. Bis heute wird allerdings in der Politik noch darüber diskutiert, ob solche Preisbremsen in Zukunft wieder geben sollen. Für viele Verbraucher war die Strompreisbremse eine große Hilfe um Geld zu sparen, aber es müssen andere Lösungen her, damit die Strompreise auch langfristig fair und stabil bleiben. Heute sind die Strompreise seit dem Ablauf der Preisbremse stark gesunken. Haushaltskunden zahlten im Jahr 2025 im durchschnitt 34,7 Ct/kWh, was einem Rückgang von 20% im Vergleich zu 2022 entspricht. Neukunden zahlen 26,7 Ct/kWh, was einem Rückgang von fast 44% entspricht.
Seit dem 1. Januar 2026 profitieren Verbraucher von neuen Entlastungen: Die Netzentgelte, welche die Netzbetreiber für die Nutzung, Wartung und den Ausbau des Stromnetzes erheben, wurden zusammen mit der Stromsteuer dank eines staatlichen Zuschusses von 6,5 Milliarden Euro gesenkt. Somit müssen Haushalte und Unternehmen weniger für ihren Strom zahlen und sparen dadurch ca. 60 bis 90€ pro Jahr.

Strompreisbremse und dynamische Stromtarife
Obwohl die Strompreisbremse nur eine kurzfristige Maßnahme war, hat sie doch dafür gesorgt, dass Verbraucher nicht zu viel für ihren Strom zahlen. Sie hat jedoch auch gezeigt, dass es wichtig ist, Verbraucher in Zukunft vor hohen Strompreisen zu schützen. Deshalb bieten viele Stromanbieter jetzt eigene Preisbremsen an, die einen festen Höchstpreis für Strom garantieren. Diese Preisgarantien sind jedoch meist nur für 1 bis 2 Jahre gültig. Meistens sind diese auch nur für Neukunden und helfen nicht dauerhaft gegen steigende Strompreise. Eine bessere und vor allem nachhaltigere Lösung sind dynamische Stromtarife, bei denen Verbraucher regelmäßig von günstigen Strompreisen profitieren können.
Was sind dynamische Stromtarife?
Dynamische Stromtarife sind flexible Tarifmodelle, bei denen sich der Strompreis in Echtzeit oder in kurzen Intervallen an Angebot und Nachfrage am Energiemarkt anpasst. Im Gegensatz zu herkömmlichen Festpreistarifen variiert der Preis bei dynamischen Tarifen je nach Tageszeit, Wetterlage oder allgemeiner Netzsituation. Das bedeutet, Verbraucher können von günstigeren oder sogar negativen Strompreisen profitieren, wenn die Nachfrage niedrig oder das Angebot durch erneuerbare Energien hoch ist. Gleichzeitig signalisiert der Tarif höhere Preise in Zeiten hoher Netzbelastung, was Anreize schafft, den Stromverbrauch gezielt zu steuern und Lastspitzen zu vermeiden. Technologisch ermöglichen intelligente Stromzähler, auch Smart Meter, die Abrechnung dieser zeitvariablen Tarife und unterstützen eine verbraucherfreundliche Umsetzung. Dynamische Stromtarife fördern somit nicht nur Kosteneinsparungen für Endkunden, sondern tragen auch zur Netzstabilität und zur Integration erneuerbarer Energien bei. Für Verbraucher sind sie eine attraktive Möglichkeit, aktiv am Energiemarkt teilzunehmen und ihren Verbrauch nachhaltiger zu gestalten.
Wie ergänzen sich beide Ansätze?
Preisbremsen und dynamische Stromtarife sind auf den ersten Blick gegensätzliche Konzepte: der eine verspricht Stabilität, der andere setzt auf Flexibilität. Doch genau diese Gegensätzlichkeit macht sie zu einer idealen Kombination für Verbraucher, die sowohl Sicherheit als auch Kosteneffizienz anstreben.
Stellen wir uns zwei Nachbarn vor: Beide mit ähnlichem Stromverbrauch von 4.000 kWh pro Jahr:
- Nachbar A (Tarif mit Preisbremse): Er zahlt einen garantierten Festpreis von 29 Cent/kWh für 24 Monate. Seine monatliche Stromrechnung ist absolut vorhersehbar: rund 97 Euro pro Monat. Er muss nichts optimieren und nichts beobachten.
- Nachbar B (mit Dynamischer Stromtarif): Sie hat ein Elektroauto und eine Wärmepumpe. Durch gezieltes Laden nachts und die Verlagerung energieintensiver Haushaltstätigkeiten in günstige Stunden zahlt sie im Jahresdurchschnitt effektiv 22 Cent/kWh. Ihre jährliche Ersparnis gegenüber dem Festpreisvertrag: rund 280 Euro.
Die ideale Lösung für beide Verbraucher: Ein Tarif, der eine Preisobergrenze als Sicherheitsnetz kombiniert mit der Möglichkeit, von günstigen Börsenphasen zu profitieren. Viele Stromanbieter entwickeln bereits Modelle, die genau diese Kombination bieten: Eine garantierte Preisobergrenze schützt vor extremen Ausschlägen nach oben, während Verbraucher gleichzeitig von besonders günstigen Börsenphasen profitieren können. Das schafft eine ausgewogene Balance zwischen Verbraucherschutz und Markteffizienz und macht den Einstieg in die Welt der dynamischen Tarife auch für preissensible Haushalte attraktiv, denn je mehr Haushalte den Schritt zu dynamischen Tarifen vollziehen, desto weniger werden staatliche Eingriffe wie eine staatliche Strompreisbremse in Zukunft notwendig sein. Dynamische Tarife sind damit nicht nur eine Alternative zur Strompreisbremse, sie sind der Weg heraus aus der Abhängigkeit von staatlichen Notfallmaßnahmen.
